Akkordfolgen verstehen: Stufen statt Notennamen
Eine Akkordfolge – englisch chord progression – beschreibt, welche Akkorde in
welcher Reihenfolge erklingen. Damit dieselbe Folge in jeder Tonart funktioniert,
notiert man sie in Stufen: Die römischen Ziffern I bis VII bezeichnen den Akkord, der
auf der jeweiligen Stufe der Tonleiter gebaut wird. In C-Dur – der einfachsten Tonart
für Einsteiger, weil sie ohne Vorzeichen auskommt – sehen diese sieben Stufen so aus:
| Stufe | Akkord in C-Dur | Töne | Tasten |
| I | C (Dur) | C – E – G | s f h |
| ii | Dm (Moll) | D – F – A | d g j |
| iii | Em (Moll) | E – G – B | f h k |
| IV | F (Dur) | F – A – C | g j l |
| V | G (Dur) | G – B – D | h k z |
| vi | Am (Moll) | A – C – E | j l x |
| vii° | B vermindert | B – D – F | k z c |
Große Stufen (I, IV, V) sind Dur-Akkorde, kleine Stufen (ii, iii, vi) sind Moll-Akkorde.
Die siebte Stufe (vii°) klingt vermindert und taucht in Pop und Rock selten auf. Merke:
Die sechs Akkorde C, Dm, Em, F, G und Am gehören alle zur selben Tonart und bilden das
komplette Material für die meisten Popsongs.
Die 8 wichtigsten Akkordfolgen
Die folgenden Muster decken den Großteil aller Lieder ab, die im Radio, im Film oder auf
einer Party laufen. Alles ist in C-Dur notiert, damit du sofort loslegen kannst. Die
Akkorde werden immer von unten nach oben gegriffen – drücke die genannten Tasten
gleichzeitig.
1 I – V – vi – IV
Die Pop-Formel
- Akkorde in C-Dur
- C – G – Am – F
- Tasten
- s f h · h k z · j l x · g j l
- Bekannt aus
- „Let It Be“ (The Beatles), „Someone Like You“ (Adele), „With or Without You“ (U2)
Üben: Ein Akkord pro Takt, vier Schläge lang. Zähle laut 1-2-3-4 mit und halte den Wechsel erst dann schneller, wenn drei Runden fehlerfrei klingen.
2 vi – IV – I – V
Dieselben Akkorde, trauriger gedreht
- Akkorde in C-Dur
- Am – F – C – G
- Tasten
- j l x · g j l · s f h · h k z
- Bekannt aus
- „Zombie“ (The Cranberries), „Save Tonight“ (Eagle-Eye Cherry), „Africa“ (Toto)
Üben: Beginne auf Am und höre bewusst, wie der erste Akkord diesmal Moll ist – das ist der ganze Unterschied zur Pop-Formel.
3 I – vi – IV – V
Die Doo-Wop-Wendung der 50er
- Akkorde in C-Dur
- C – Am – F – G
- Tasten
- s f h · j l x · g j l · h k z
- Bekannt aus
- „Stand By Me“ (Ben E. King), „Blue Moon“, „Heart and Soul“
Üben: Klassiker für die linke Hand: Spiele den Grundton als tiefen Ton, den Rest mit der rechten. Sobald das läuft, klingt jeder 50er-Jahre-Song vertraut.
4 I – IV – V – I
Die Kadenz – der klassische Schluss
- Akkorde in C-Dur
- C – F – G – C
- Tasten
- s f h · g j l · h k z · s f h
- Bekannt aus
- „Twist and Shout“, „La Bamba“, unzählige Kinder- und Volkslieder
Üben: Nutze die Folge als Abschluss jeder anderen Progression. Der Sprung von G zurück nach C ist der stärkste Schluss, den die Tonart hergibt.
5 ii – V – I
Die Jazz-Kadenz
- Akkorde in C-Dur
- Dm – G – C
- Tasten
- d g j · h k z · s f h
- Bekannt aus
- „Autumn Leaves“, „Fly Me to the Moon“, „Take the A-Train“
Üben: Spiele die drei Akkorde langsam und höre, wie Dm nach G zieht und G nach C auflöst. In dieser Folge steckt die halbe Jazz-Harmonik.
6 vi – ii – V – I
Die Kreis-Progression aus dem Quintenzirkel
- Akkorde in C-Dur
- Am – Dm – G – C
- Tasten
- j l x · d g j · h k z · s f h
- Bekannt aus
- „I Will Survive“ (Gloria Gaynor), „Still Got the Blues“ (Gary Moore)
Üben: Jeder Akkord springt eine Quinte nach unten – spiele sie in gleichmäßigen Vierteln und du hörst, warum diese Folge sich wie ein Kreis anfühlt.
7 i – VII – VI – V
Die andalusische Kadenz
- Akkorde in C-Dur
- Am – G – F – E
- Tasten
- j l x · h k z · g j l · f H k
- Bekannt aus
- „Hit the Road Jack“ (Ray Charles), „Sultans of Swing“ (Dire Straits)
Üben: Hier ist der letzte Akkord Dur, obwohl die Folge in Moll beginnt. Genau dieser Kontrast erzeugt den spanischen, flamencohaften Klang.
8 I – V – vi – iii – IV – I – IV – V
Die Pachelbel- oder Kanon-Folge
- Akkorde in C-Dur
- C – G – Am – Em – F – C – F – G
- Tasten
- s f h · h k z · j l x · f h k · g j l · s f h · g j l · h k z
- Bekannt aus
- „Canon in D“ (Pachelbel), „Basket Case“ (Green Day), „Memories“ (Maroon 5)
Üben: Acht Akkorde statt vier – übe sie in zwei Hälften. Die zweite Hälfte (F–C–F–G) ist nur ein Ausschmücken der Kadenz aus Muster 4.
Jeden Akkord selbst finden: die Zwei-Formel-Methode
Du musst keine Akkordtabelle auswendig lernen. Ein Dreiklang entsteht, wenn du von einem
Grundton aus zwei Intervalle übereinanderstapelst. Die Anzahl der Halbtonschritte
entscheidet über Dur oder Moll:
Halbtöne zählst du direkt auf der Tastatur: jeder Schritt zur nächsten Taste – schwarze
Tasten eingeschlossen – ist ein Halbton. Zwei Beispiele:
- C-Dur: Start bei C, vier Halbtöne weiter bis E, von dort drei
Halbtöne weiter bis G → C–E–G
- A-Moll: Start bei A, drei Halbtöne weiter bis C, von dort vier
Halbtöne weiter bis E → A–C–E
Mit dieser Methode leitest du jeden der sechs Akkorde einer Tonart selbst her und kannst
jede Progression in eine andere Tonart verschieben, ohne eine neue Tabelle zu suchen.
Übungsplan: in vier Schritten zur flüssigen Begleitung
- 1
Akkorde einzeln greifen
Spiele jeden Akkord der Folge für sich und halte ihn vier Sekunden. Achte darauf, dass alle drei Töne gleichzeitig und gleich laut klingen – kein Ton darf untergehen.
- 2
Nur die Übergänge üben
Die meisten Fehler passieren beim Wechsel, nicht im Akkord. Wiederhole zwei benachbarte Akkorde zwanzig Mal langsam, bis die Finger den Weg ohne Nachdenken finden.
- 3
Die ganze Folge im Kreis
Spiele alle Akkorde nacheinander und hänge am Ende wieder an den ersten an. Ein Akkord pro Takt, vier Schläge, beliebig oft wiederholt.
- 4
Tempo erhöhen und Rhythmus variieren
Steigere das Tempo erst, wenn drei Runden fehlerfrei sitzen. Danach lockere den Anschlag auf Achtelnoten auf und versuche, eine einfache Melodie darüber zu singen.
Häufige Fragen zu Akkordfolgen
Welche Akkordfolge ist die häufigste?
Die Folge I–V–vi–IV, oft Pop-Formel genannt, ist die meistgenutzte Progression der letzten Jahrzehnte – in C-Dur also C–G–Am–F. Direkt dahinter folgt die traurigere Variante vi–IV–I–V, die dieselben vier Akkorde in anderer Reihenfolge verwendet.
Wie viele Akkorde brauche ich, um ein Lied zu begleiten?
Für den Anfang reichen vier. Die sechs Akkorde einer Tonart – in C-Dur: C, Dm, Em, F, G und Am – decken praktisch alle Pop- und Rocksongs ab. Die meisten Stücke bleiben innerhalb dieser Auswahl und wechseln die Tonart überhaupt nicht.
Kann ich Akkordfolgen lernen, ohne Noten zu lesen?
Ja. Akkordfolgen werden traditionell über Stufen oder Akkordsymbole notiert (C, G, Am, F), nicht in Notenschrift. Du brauchst nur die Namen der Akkorde und die Tasten, auf die du greifst. Alle Beispiele auf dieser Seite stehen deshalb als Buchstaben-Tastenkürzel da.
Was ist der Unterschied zwischen Akkordfolge und Kadenz?
Eine Kadenz ist eine Akkordfolge mit Schlusswirkung, die einen Abschnitt oder ein Stück beendet – klassisch ist I–IV–V–I. Der Begriff Akkordfolge ist weiter gefasst und beschreibt jede Abfolge von Akkorden, auch wenn sie mitten im Stück endlos im Kreis läuft.
Sind Akkordfolgen urheberrechtlich geschützt?
Reine Akkordfolgen sind in der Regel nicht geschützt. Vier-Akkord-Folgen wie I–V–vi–IV kommen so häufig vor, dass sie als musikalisches Allgemeingut gelten. Geschützt sind Melodie und Text eines konkreten Liedes – die Akkordfolge selbst darfst du also frei zum Üben und Begleiten nutzen.
Weiterlernen und direkt spielen